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Stufenkonzeption

Wölflinge - Die Kinderstufe

Das Angebot der Kinderstufe richtet sich an sieben bis zehnjährige Kinder. Mit der Kinderstufe beginnt das Pfadfinden im VCP. Die Kinderstufe ist eine eigene Zielgruppe innerhalb des VCP.

Sie ist geprägt von eigenen Methoden, Arbeitsformen und Programmen, die diesem Alter vorbehalten sind.

Die Kinderstufe bietet erste Möglichkeiten, sich im Umgang mit einer Gruppe zu erleben und dabei eigene Grenzen zu erfahren. Dem Spiel- und Bewegungsdrang wird viel Raum gegeben und auf kindgerechte Weise werden Zugänge zum Glauben geschaffen.

Kinder in diesem Alter sind neugierig und wollen Entdeckungen und Erfahrungen machen. Sie sind vertrauensvoll und begeisterungsfähig. Alltäglichen Situationen begegnen sie oft unbefangen und unvoreingenommen und so ist ihr Handeln häufig von Gefühlen und aktuellen Stimmungen beeinflusst. Kinder in diesem Alter besitzen eine ausgeprägte Phantasie: Sie leben Geschichten und Situationen nach, die sie gelesen, gesehen, gehört oder erfunden haben. Sie identifizieren sich mit den Figuren, Helden und Beteiligten ihrer Geschichten. Nach und nach gewinnen die Kinder an Realitätsbezug und wollen den Dingen auf den Grund gehen. Das Spielen mit anderen oder auch alleine nutzen Kinder, um ihrer Fantasie Raum zu geben, gemeinsam Spaß zu haben, sich zu bewegen und auszutoben und um eigene Fähigkeiten zu erkennen.

Gleichzeitig haben Kinder in diesem Alter ein deutliches Bedürfnis nach Sicherheit, Schutz und Geborgenheit. Dazu helfen ihnen Regeln und Grenzen, Rituale, strukturierte Freiräume und verlässliche Bezugspersonen, an denen sie sich orientieren können und von denen sie sich ernst genommen fühlen.

 

Ziele der Kinderstufe

Im Folgenden sind altersspezifische Entwicklungsziele für die Kinderstufe in den einzelnen Bereichen der Persönlichkeit aufgeführt. Dabei folgt zunächst die Darstellung der übergeordneten charakterlichen Entwicklungsziele, bevor auf die Bereiche der körperlichen, intellektuellen, emotionalen, sozialen und spirituellen Entwicklung ein gegangen wird. Wichtig ist dabei, dass die Ziele nicht im Sinne eines Aufgabenkataloges verstanden werden dürfen. Wie bereits in Kapitel 3 dargestellt, handelt es sich vielmehr um erstrebenswerte Zustände. Jede Entwicklung in Richtung eines Entwicklungsziels ist als Fortschritt zu bewerten und ist ebenso entscheidend wie das Erreichen des Ziels selbst.

 

Charakterliche Entwicklung

Das Kind ...
• hat einen ersten Eindruck von eigenen Fähigkeiten und Defiziten;
• verliert in Schwierigkeiten nicht den Mut;
• beteiligt sich an der Umsetzung von gemeinsam gesetzten Zielen der Gruppe;
• hält sich an vereinbarte Regeln und kann mit persönlichen Erfolgen und Niederlagen umgehen;
• drückt persönliche Wünsche aus und äußert Ideen zu deren Umsetzung,
• äußert die eigene Meinung;
• ist bereit, überschaubare Aufgaben zu übernehmen; erledigt übernommene Aufgaben nach besten Möglichkeiten;
• erkennt, dass es erstrebenswerte Ziele in der Gruppe gibt und versteht Gruppenziele auch als persönliche Ziele;
• nimmt Arbeit anderer wahr und erkennt diese an

 

Körperliche Entwicklung

Das Kind ...
• nimmt den eigenen Körper als einzigartig wahr;
• beurteilt die Risiken des eigenen Handelns für die körperliche Verfassung;
• kennt die wichtigsten Körperfunktionen;
• erkennt körperliche Bedürfnisse und reagiert darauf;
• erkennt Situationen, die die eigenen Kräfte übersteigen und in denen fremde Hilfe benötigt wird;
• verfügt über Gewohnheiten bei Ernährung und Hygiene, die die eigene Gesundheit schützen und fördern;
• erforscht die Welt mit allen Sinnen und hat Spaß an körperlicher Aktivität.

 

Intellektuelle Entwicklung

Das Kind ...
• entdeckt die Welt und das eigene Umfeld und ist bereit, Informationen aufzunehmen und zu erfragen;
• drückt aus, was überraschend oder fremd ist und sucht nach Erklärungen;
• kann eine Situation oder Geschichte vom eigenen Standpunkt aus bewerten;
• geht neugierig und unbefangen auf neue Situationen zu;
• kann Erlebtes kommunizieren;
• sucht nach Ideen zur Problemlösung, probiert diese aus und sammelt dabei eigene Erfahrungen;
• verfügt über einfache handwerkliche, musische und technische Kenntnisse.

 

Emotionale Entwicklung

Das Kind ...
• kennt und beschreibt eigene Stimmungen und Gefühle;
• weiß, dass Handeln von Emotionen beeinflusst sein kann;
• kennt verschiedene Ausdrucksformen der Persönlichkeit;
• kann eigene Stimmungen und Gefühle im Rahmen seiner verbalen und kognitiven Fähigkeiten ausdrücken und beschreiben;
• weiß, dass Gefühle anderer verletzbar sind;
• versteht, dass Kritik nicht gleich eine Beleidigung ist;
• fühlt sich als positiv angenommene Persönlichkeit;
• baut Freundschaften auf.

 

Soziale Entwicklung

Das Kind ...
• respektiert Meinungen und Ansichten anderer Menschen;
• geht mit anderen Kindern vorurteilsfrei und partnerschaftlich um;
• akzeptiert Regeln und zeigt Fairness im Spiel;
• bringt sich aktiv in das Gruppengeschehen ein;
• leistet im alltäglichen Leben kleine individuelle Dienste nach den eigenen Möglichkeiten;
• weiß, dass Kinder Rechte haben, erkennt Ungerechtigkeiten und greift nach eigenen Möglichkeiten ein.

 

Spirituelle Entwicklung

Das Kind ...
• hat Kenntnisse über den religiösen Hintergrund der eigenen Familie und das christliche Selbstverständnis der Gruppe;
• weiß, dass es verschiedene Religionen und Glaubensauffassungen gibt und dass diese jeweils andere spirituelle Ausdrucksformen haben;
• entdeckt und achtet Natur und Umwelt als Wunder Gottes;
• lernt die Vielfalt der Schöpfung kennen und erfährt sich als Teil davon;
• kennt und erfährt christliche Normen und Werte in der Gemeinschaft der Gruppe;
• nimmt am spirituellen Leben der Gruppe teil und erfährt dort Geborgenheit und Gottesnähe.

 

Methoden der Kinderstufe

Methodische Elemente der Kinderstufe sind:

Spielen
Das Spiel ist ein zentrales Element der Kinderstufe. Sich im Spiel auszuprobieren und zu erleben ist entwicklungsfördernd und dient der Einübung und Ausbildung wichtiger Lebens- und Leistungsfunktionen. Das Spiel wird dem kindlichen Bedürfnis nach Fantasie und Traumwelt gerecht und hilft, sich in anderen Rollen und Funktionen zu erleben. Es ist wichtig, dass die in der Kinderstufe eingesetzten Spiele dem Alter entsprechend sind und die Kinder angemessen fordern. Je nach Spielinhalt muss dafür zunächst ein vertrauensvolles Beziehungsgeflecht ausgebildet sein. Altersgerechte Spiele werden von Kindern sehr positiv erlebt. So kann der VCP zu einer erfüllten und den Moment auskostenden und genießenden Lebensgestaltung von Kindern beitragen. Spielaktivitäten unter freiem Himmel und in der Natur sind gesund und ermöglichen Kindern das Kennenlernen, Verstehen und Respektieren von Natur und Umwelt.

 

Spielidee
Den Angeboten der Kinderstufe liegt eine Spielidee zugrunde. Diese beinhaltet, dass sich eine Rahmengeschichte mit ausgeprägter Symbolik durch die verschiedenen Angebote der Kinderstufe hindurch zieht und so einen einheitlichen und wiederkehrenden Rahmen schafft. Die Verwendung von festgelegten Begriffen, wiederkehrenden Ritualen und Symbolen, die sich aus der Rahmengeschichte ergeben, regen Fantasie und Kreativität an und geben den Kindern die Möglichkeit, sich zu orientieren. Gleichermaßen wird den Bedürfnissen der Kinder nach Traumwelt, Fantasie und Identifikation Rechnung getragen. Der VCP bevorzugt hierfür das Dschungelbuch.

 

Leben in der Gruppe
Die Kinder erlernen spielerisch und nach gemeinsam festgelegten Regeln das Zusammenleben in der Gruppe. Dadurch werden Werte wie Gemeinschaft, Zusammenhalt, Toleranz und Zuverlässigkeit vermittelt. Sie erfahren, dass eine Gruppe Halt und Sicherheit gibt und werden darauf vorbereitet, sich auch in anderen Gruppen sicher und selbstbewusst zu bewegen.

 

Künstlerische Betätigung
Der VCP spricht Kinder mit allen Sinnen an. Neben der körperlichen Betätigung in Sport und Spiel sind auch künstlerisch-kreative Elemente wie Malen, Basteln, Singen und Musizieren wichtige Bestandteile der Gruppenstunden. Dies ermöglicht nicht nur Programmvielfalt, sondern auch das Entdecken eigener und gemeinsamer Fähigkeiten und Vorlieben.

 

Organisation und Struktur
Die Gruppen der Kinderstufe bestehen aus bis zu 20 Kindern, die sich im wöchentlichen Rhythmus zu Gruppenstunden zusammenfinden. Bereits in der Kinderstufe soll die Altersspanne der Gruppe nicht mehr als zwei Jahrgänge übersteigen. Angesichts der Gruppengröße soll die Gruppenleitung mindestens zwei Personen umfassen, im Idealfall beiderlei Geschlechts. Bei Aktivitäten im Freien sind weitere Leitungspersonen hinzuzuziehen, um durch einen hohen Betreuungsschlüssel die Sicherheit der Kinder zu gewährleisten.

 

Aktivitätsformen
Neben den wöchentlichen Gruppenstunden finden in der Kinderstufe Freizeiten statt, die ein Wochenende oder auch mehrere Tage lang dauern. Im Regelfall ist die Gruppe in festen Unterkünften, Häusern, Jugendherbergen, etc. untergebracht. Für viele Kinder bedeutet die Teilnahme daran, zum ersten Mal längere Zeit von der Familie getrennt zu sein. Nur in Ausnahmefällen nimmt die Kinderstufe an kurzen Zeltlagern teil. Dabei werden Gruppenzelte genutzt, die auch bei schlechtem Wetter den Kindern ausreichend Platz und Schutz bieten. Zeltbau gehört nicht zu den Aktivitäten der Kinderstufe. Der Aktionsradius der Kinderstufe beschränkt sich in der Regel auf die Orts-/Stammesebene und die dort stattfindenden Aktivitäten. Gelegentlich nimmt die Gruppe an speziellen regionalen Aktivitäten teil, die ausschließlich für diese Altersstufe konzipiert sind. Dabei ist zu beachten, dass die Veranstaltungsgröße insgesamt für die Zielgruppe überschaubar ist und sich die und der Einzelne in der Masse nicht verloren fühlt. Ein der Veranstaltungsgröße entsprechender Betreuungsschlüssel ist zu gewährleisten.

 

Leitung
Die Gruppenleitungen der Kinderstufe müssen in besonderem Maße das Vertrauen, das ihnen von den Kindern und deren Eltern entgegengebracht wird, ernst nehmen. Besonders Kinder orientieren sich an den Gruppenleitungen, damit sind diese Vorbild und müssen sich dieser Rolle bewusst sein. Die Gruppenleitungen ermöglichen Erlebnisse, die dem Bewegungsdrang und der Neugierde der Kinder entsprechen und die große Vielfalt pfadfinderischer Aktivitäten widerspiegeln, ohne dabei dem Programm und den Methoden der Pfadfinderinnen- und Pfadfinderstufe vorzugreifen. Erlebnisse, die die Gruppengemeinschaft fördern und dabei Geborgenheit vermitteln, sind die Voraussetzung für die Entwicklung der Persönlichkeit des Kindes. Gruppenleiterinnen und Gruppenleiter sollen die sozialen, finanziellen und kulturellen Hintergründe der Gruppenkinder kennen und diese in der Programmgestaltung bestmöglich berücksichtigen. Sie halten Kontakt zu den Eltern. Die Gruppenleitungen müssen für die Arbeit mit der Kinderstufe und insbesondere entsprechend der Spielidee speziell geschult und ausgebildet sein. Neben der erfolgreich absolvierten Jugendleitungsausbildung (JuLeiCa) sind Grundlagen für die altersspezifische Arbeit mit Kindern erforderlich. Gruppenleiterinnen und Gruppenleiter müssen mindestens 16 Jahre alt sein. Im Idealfall ist mindestens ein Mitglied der Gruppenleitung volljährig. Kommen Gruppenleiterinnen und Gruppenleiter mit ihrer Rolle oder der Situation in der Gruppe nicht zurecht, erhalten sie auf Wunsch Hilfestellung und Beratung von erfahrenen Leitungskräften der Orts-/Stammes-, Bezirks-/Gau-/Regionen- oder Landesebene.

 

Kennzeichen
Im Verband angemeldete Mitglieder dürfen die Tracht des VCP tragen. Die Mitglieder der Kinderstufe tragen als äußeres Merkmal das blaue Halstuch mit orangerotem Rand. Dieses Erkennungszeichen verstärkt das Profil und die Identifikation mit der eigenen Stufe.